Schikanen und Misshandlung in JVA Wuppertal-Ronsdorf

Die Jenaer Antifaschistin und Untersuchungsgefangene Nele, die im großen Antifa-Verfahren am OLG Düsseldorf angeklagt ist, wurde am 12. Dezember 2025 aus der sächsischen JVA Chemnitz in die JVA Wuppertal-Ronsdorf in NRW verlegt. Im Januar und Februar 2026 hat sie uns in Briefen und bei Besuchen über Schikanen der Anstalt gegen sie und über die Misshandlung einer Mitgefangenen durch eine JVA-Beamte berichtet. Seit April 2026 befindet sie sich in der JVA Willich II.

Beim Besuch vom 26. Januar 2026 erzählte Nele zwei Freunden und ihrer Mutter, dass sie aktuell eine Disziplinarmaßnahme habe. Sie dürfe für zwei Wochen nicht am Aufschluss und am gemeinsamen Hofgang teilnehmen. Außerdem dürfe sie auf unbestimmte Zeit keiner Arbeit in der JVA nachgehen. Der Grund dafür sei, dass sie einer anderen, volljährigen Gefangenen Zigaretten gekauft und geschenkt habe. Diese kleinen Gesten der Solidarität und Freundschaft seien in der JVA Chemnitz üblich gewesen und ihr sei nicht bewusst gewesen, dass sie in der JVA Wuppertal-Ronsdorf untersagt seien. Mitgefangene haben Nele gesagt, dass sie nicht wüssten, dass jemand dafür in der JVA Wuppertal-Ronsdorf jemals eine Disziplinarmaßnahme erhalten habe. Diese Maßnahme scheint daher eine gezielte Schikane gegen Nele gewesen zu sein. Diesen Eindruck verstärkten auch zwei weitere sogenannte Meldungen, also Abmahnungen, der Anstalt. Nele habe eine Meldung erhalten, weil die JVA-Beamten bei der Kontrolle am 3. Verhandlungstag vor dem OLG Düsseldorf „entdeckten“, dass sie eine Armbanduhr trug, die sie in der JVA Chemnitz tragen durfte und die sie auch in Wuppertal-Ronsdorf sechs Wochen lang und bereits an zwei Verhandlungsterminen trug. Dies sei nicht erlaubt gewesen. Weiterhin habe die Anstalt aus einem harmlosen und freundlichen Gespräch zwischen Nele, einer Mitgefangenen und JVA-Beamten während des Hofgangs später eine feindselige Einmischung konstruiert. Nele habe die Mitgefangene aus dem Gespräch mit den Beamten gerissen, hieß es später in der Meldung.

Beim Besuch vom 12. Februar 2026 berichtete Nele ihrer Mutter, dass sie mitgehört habe, wie eine 21jährige Mitgefangene von einer Beamten misshandelt worden sei. Die Beamtin habe zur Gefangenen gesagt: „Halt die Fresse, sonst knall‘ ich dir eine!“. Daraufhin sei die Gefangene verprügelt worden. Laut Mitgefangenen habe die misshandelte Gefangene anschließend eine Woche Einzelhaft bekommen. Sie haben Verletzungen im Gesicht und im Rippenbereich aufgewiesen. Nele habe eine Dienstaufsichtsbeschwerde geschrieben. Nach dem Besuch informierte der LKA-Beamte, der zur Besuchsüberwachung anwesend war, Nele, dass er damit von einem strafrechtlich relevanten Vorfall Kenntnis erlangt habe, dass er Anzeige stellen müsse und Nele dazu vernehmen wolle. Die JVA-Beamten haben die Vernehmung zu diesem Zeitpunkt verweigert. Nele wurde später vom LKA zu dem Vorfall vernommen.

Für die oben genannten Schikanen gebe es laut Nele eine Erklärung. Nele pflege ein gutes Verhältnis zu ihren Mitgefangenen und habe eine schwangere Mitgefangene dabei unterstützt, anlässlich respektloser, sexualisierter Kommentare eines männlichen JVA-Beamten eine Beschwerde zu schreiben. Dies sei kein Einzelfall. Es komme nicht selten vor, dass sich männliche JVA-Beamte gegenüber den inhaftierten Frauen und Mädchen unangemessen verhalten und sexualisierte Äußerungen treffen. So habe Nele mitbekommen, wie ein über 40jähriger JVA-Beamter ohne Anlass spät am Abend um 22 Uhr zur Zellentür einer 16jährigen Gefangenen gegangen sei und ihr gesagt habe, wie hübsch sie sei. Nicht ohne Grund werden in der Frauen-JVA Chemnitz keine männlichen Beamten mehr auf den Stationen eingesetzt. Die Disziplinarmaßnahme und weiteren Schikanen gegen Nele seien ein Versuch der JVA Wuppertal-Ronsdorf das Miteinander und die Solidarität zwischen Nele und den anderen weiblichen Gefangenen zu erschweren.

Wir erkennen darin ein System wieder, über das uns Gefangene auch aus anderen Knästen berichten:

– Das Machtgefälle zwischen Schließer:innen und Gefangenen sorgt immer wieder dafür, dass Schließer:innen Gefangene herablassend behandeln, sie schikanieren, sexuell belästigen.

– Wenn Gefangene sich mit ihren Mitgefangenen solidarisch zeigen, sie zur Selbstbehauptung ermutigen und Gemeinschaft aufbauen, werden sie von den Knastleitungen bestraft und isoliert.

Solidarität mit allen Gefangenen!

Haftunterstützungsgruppe für Nele