In der Nacht vom 20. auf den 21. Juni 2026 stach ein Neonazi in Göttingen einen Antifaschisten nieder und verletzte ihn lebensgefährlich. Als Solidaritätskomitee für die Antifaschist:innen, die im Budapest-Verfahren verfolgt werden, möchten wir unsere Anteilnahme, unsere Solidarität und unsere Gedanken zum Ausdruck bringen.
Die Ereignisse
Auf indymedia.org wurde der mutmaßliche Täter am Tag nach der Messerattacke geoutet (1): „Gestern in der Nacht vom 20. auf den 21.06.2026 wurde ein Genosse von uns durch den Jungfascho Max Dillmann niedergestochen und lebensgefährlich verletzt. Die Messertat ereignete sich im Fridtjof-Nansen-Weg in Göttingen. Max Dillmann ist klar als Täter zu benennen und der jugendlichen rechten Clique zu zu ordnen, in welcher auch der Täter der in der Nacht zum 03.06.2026 Neonazi Parolen am Albaniplatz in Göttingen geprayt und die Regenbogen Flagge welche seitlich auf den Stufen einer Treppe zu sehen war mit einer großen Deutschlandfahne übersprayt hat, zu finden ist.
Max Dillmann
Fridtjof-Nansen-Weg 10
37085 Göttingen“
Sven Adams, Anwalt aus Göttingen, erklärte am 22. Juni gegenüber der taz, dass mutmaßlich Dillmann dem Antifaschisten knapp neben dem Herzen ein Messer in die Brust gerammt habe, wobei eine Halsschlagader verletzt worden sei. Unser Mitstreiter habe so viel Blut verloren, dass er fünf Liter Spenderblut erhalten habe. Er liege im künstlichen Koma und werde abgekühlt. (2) Seit dem 22. Juni sei er außer Lebensgefahr und in einem stabilem Zustand. Allerdings sei auch die Lunge verletzt worden. (3)
Freund:innen des Verletzten sagten auf der spontanen Demonstration, die am 21. Juni in Reaktion auf den mörderischen Angriff stattfand: „Freunde, die vor Ort erste Hilfe geleistet und auf den RTW gewartet haben, stehen noch unter Schock. Was wir bislang und vorläufig sagen können: Niemand von linker Seite war bewaffnet und es gab kein Interesse an einer körperlichen Auseinandersetzung. Der Täter hat unvermittelt mit einem Messer zugestochen und unseren Freund im Brustbereich getroffen. Der Gesundheitszustand ist bedrohlich. Er befindet sich im künstlichen Koma, da mindestens ein großes Blutgefäß getroffen wurde und er sehr viel Blut verloren hat. Wir gehen davon aus, dass der Täter den Tod unseres Freundes mindestens billigend in Kauf genommen hat.“
Staatlich geförderte Mordlust
Seit einigen Jahren ist es Strategie militanter Neonazis, Notwehrsituationen vorzutäuschen, zu provozieren oder auszunutzen, um Antifaschist:innen schwer zu verletzen oder zu töten. (4) Im Dezember 2019 zog der Eisenacher Neonazi Leon Ringl ein Teppichmesser, als Antifaschist:innen ihn angriffen. (5) Im September 2021 fuhren vier Neonazis von Knockout 51 aus Eisenach nach Erfurt zum Autonomen Jugendzentrum (AJZ). Sie waren u. a. mit einer Axt und Pfefferspray bewaffnet und hofften, eine Auseinandersetzung mit Linken aus dem AJZ vom Zaun zu brechen und im Zuge dieser Auseinandersetzung die Linken schwer zu verletzen oder zu töten. (6) Im April 2024 stach Leander Schultze, Mitglied der Neonazi-Partei „III. Weg“, in Berlin auf zwei Antifaschisten ein und verletzte sie mit Stichen in die Brust und Schnitten am Oberschenkel schwer. (7) Nun teilte die Staatsanwaltschaft auch im Fall von Dillmann mit, dass er möglicherweise aus Notwehr gehandelt habe. (3)
Die Neonazis können dabei mit der Rückendeckung des Staats rechnen. Der 17-jährige Neonazi und mutmaßliche Täter Max Dillmann wurde von der Polizei kurzfristig festgenommen, habe zunächst von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht und wurde anschließend wieder auf freien Fuß gesetzt. (3) Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass sich ein dringender Tatverdacht gegen Dillmann nicht begründen lasse und dass eine Notwehrsituation nicht auszuschließen sei, sodass man ihn habe freilassen müssen. (2)
Den antifaschistischen Selbstschutz organisieren
Die Neonazis bereiten sich nicht nur darauf vor, uns zu ermorden. Sie sind bereits dabei, es zu tun. Es ist an uns, uns zu schützen und zu verteidigen und sie vom Morden abzuhalten. Wir wissen, dass wir dafür einen hohen Preis zahlen. So viele von uns sind aufgrund der staatlichen Verfolgung des militanten Antifaschismus gerade auf der Flucht, im Exil und im Knast oder werden noch ins Gefängnis gehen müssen. Das darf uns nicht abhalten. Denn gerade jetzt braucht es eine starke antifaschistische Bewegung. Es ist vollkommen klar, dass die AfD-Regierungen, die sich ab diesem Jahr in ostdeutschen Bundesländern bilden werden, den rechten Schlägern und Mördern freie Bahn lassen werden.
Wir sind in Gedanken bei unserem Mitstreiter, der unterstützt von Ärzt:innen und Pflegepersonal zwei Tage lang um sein Leben kämpfte und nun eine sicherlich mühselige Genesung vor sich hat. Wir denken auch an seine Familie, seine Freund:innen, an alle unsere lieben Leute in Göttingen. Wir sind für euch da.
An Leander Schultze, Max Dillmann und alle anderen Faschisten da draußen: Diese Taten werden euch keine Ruhe lassen.
Budapest Antifascist Solidarity Committee, 24. Juni 2026
Quellen:
(1) https://de.indymedia.org/node/746322
(2) https://taz.de/Nach-Messerangriff-durch-Rechtsextremen/!6189698/
(3) https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/23-jaehriger-in-goettingen-lebensgefaehrlich-verletzt-war-es-notwehr,goettingen-248.html
(4) https://taz.de/Voreingenommene-Ermittlungen/!6119165/
(5) https://www.antifaostkomplex.org/2026-02-05-18-prozesstag-antifa-ost-komplex/
(6) https://prozessdoku-thueringen.de/2024/06/03/34-verhandlungstag-ko51-26-03-2024/
(7) https://taz.de/Antifas-gegen-III-Weg-in-Berlin/!6144951/
